Mitgliederinfos

Jahresbericht des Präsidenten zu Händen der Generalversammlung 2016

An der letztjährigen GV hatte der Vorstand in Aussicht gestellt, Pendenzen aus den vorangegan-genen zwei eher belasteten Jahren aufzuarbeiten. Dank der Verstärkung unseres Vorstandes auf 10 Mitglieder anlässlich der GV 2015 dürfen wir rückblickend betrachtet sagen, dass uns dies auch mehrheitlich gelungen ist. Das vergangene Vereinsjahr war für den Vorstand ein intensives, auch wenn dies für die Mitglieder nach aussen möglicherwiese nicht so offensichtlich wurde.

Durch den Verzicht auf einen Telefonanschluss und die Verlagerung des hauptsächlichen Kommunikationskanals auf den E-Mail-Verkehr konnten die Erreichbarkeit unserer Geschäftsstelle flexibler, aber auch zuverlässiger, gestaltet und zudem Kosten eingespart werden. Nebst einem kontinuierlichen Austausch via elektronische Medien hat sich der Vorstand wiederum an fünf Nachmittagen zu mehrstündigen Sitzungen in der Geschäftsstelle getroffen. Wie bereits in den Vorjahren traf sich der Vorstand zudem im November zu einer ganztägigen Klausur-Sitzung in Sugiez am Murtensee, um anderntags mit den Vorstandskolleg/innen der welschen Sektion gemeinsam die GV des Dachverbandes „Association Montessori (Switzerland)“ abzuhalten.

Zentrales Thema, das uns vor allen anderen beschäftigte, war wiederum das Lizenzwesen und der Markenschutz. Es war denn auch die Feststellung, immer häufiger mit Problemen bei der Um- und Durchsetzung unserer Qualitätsstandards konfrontiert zu sein, welche den Vorstand veranlasste, das Projekt „Lizenz Easy“ zu lancieren, das an unserer heutigen Versammlung eines der Kernthemen sein wird. Oft fühlte sich der Vorstand eingekeilt zwischen einerseits den Ansprüchen nach einer höchstmöglichen Qualität unserer Einrichtungen zu Gunsten des Wohls der Kinder und andererseits den Schwierigkeiten und Unwägbarkeiten bezüglich deren praktischer Umsetzung im Alltag, sei es infolge personeller, finanzieller oder behördlicher Rahmenbedingungen und Einschränkungen für die Einrichtungen. Frustrierend wurde unsere Arbeit dann, wenn wir erkennen mussten, dass selbst bei zweifelhaften Umständen oder unkooperativen Widerständen einer Einrichtung die Durchsetzung der Qualitätsansprüche aufgrund des unkalkulierbaren juristischen Risikos illusorisch blieb.

Dass diese Bedenken durchaus begründet sind, mussten die Kolleg/innen der welschen Sektion schmerzlich erfahren, welche im Rahmen des Lizenzierungswesens in eine gerichtliche Auseinandersetzung mit einer Einrichtung gezogen wurden. Dass so eine Situation kräfteraubend und demotivierend wirkt, bedarf kaum besonderer Erwähnung. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass der Vorstand der AM(Suisse) an deren GV vor einer Woche fast vollständig erneuert werden musste.
Positiv zu erwähnen ist, dass sich im Tessin neue Kräfte zu mobilisieren beginnen. Nach den Negativschlagzeilen der vergangenen Jahre rund um eine Montessori-Schule aus dem Raum Lugano hat sich nun eine neue Montessori-Gruppierung namens „Ticino-Net“ gebildet. Deren Gründerin, Micaela Meccoci, wurde denn auch in den Vorstand der AM(Suisse) als Vertreterin des Tessin gewählt. Eine weiterhin positive Entwicklung der Tessiner Gruppierung vorausgesetzt, könnte dies der Anlass sein für die im Dachverband bereits angedachte Gründung einer italienischsprachigen Sektion „Assoziazione Montessori (Svizzera)“.

Am Samstag, 12. März 2016 konnte wiederum ein äusserst erfolgreicher „Schweizer Montessori-Tag“ in Zürich durchgeführt werden. Zum Thema „Entwicklung des Zahlenverständnisses“ sprachen die Neurologin Dr. Ursina McCaskey aus Sicht der aktuellen neuro-wissenschaftlichen Entwicklungen und Renée Classen, AMI-Trainerin in Ausbildung, aus Sicht der konkreten Umsetzung in der „Vorbereiteten Umgebung“ einer Montessori-Schule. Mit verschiedenen Workshops konnten die Erkenntnisse der beiden Vorträge vertieft werden. Den Organisatoren der Rietberg Montessori Schule sowie dem Sponsor Heutink/Nienhuis danken wir im Namen aller Montessori-Begeisterten ganz herzlich für den spannenden Fortbildungstag!

Trotz Ankündigung im Tätigkeitsprogramm der letzten GV konnte der Förderung unserer Marke-ting-Aktivitäten leider noch nicht die gewünschte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Mangelnde Ressourcen vor allem zeitlicher Natur, aber auch die intensive Vorbereitung des Projektes „Lizenz Easy“, haben es leider verunmöglicht, dass sich der Vorstand diesem Thema umfassend widmen konnte. Nach dem Motto „aufgeschoben ist nicht aufgehoben“ nehmen wir dieses Projekt aber fürs neue Geschäftsjahr erneut ins Programm.

2016 wäre grundsätzlich wieder ein DIDACTA-Jahr; nachdem allerdings das bewährte Konzept der DIDACTA Schweiz in Basel aufgegeben wurde und durch eine Nachfolge-Messe mit neuem Namen, neuem Personal und vor allem neuem Standort in Bern ersetzt wurde, waren unsere Bedenken bezüglich der Realisierbarkeit für uns all zu gross. Der Vorstand hat deshalb beschlossen, für 2016 erst einmal zu pausieren, um aufgrund der Erfahrungen mit der neuen Messe zu entscheiden, ob und unter welchen Voraussetzungen eine künftige Teilnahme allenfalls wieder in Frage kommen wird.

Im Bereich der Montessori-Ausbildungen stellen wir fest, dass die Nachfrage für Schweizerische Kurse aufgrund unseres hohen Kostenniveaus und der überzogenen Frankenstärke stark unter Druck gerät. Als kleines Land ist die Binnen-Nachfrage nicht ausreichend, um vor allem die langen und entsprechend kostenintensiven AMI-Kurse kostendeckend zu betreiben. Gelingt es nicht mehr, Teilnehmer aus dem umliegenden Ausland zu rekrutieren, so hat das für unsere Kurse klar negative Auswirkungen. Eine zusätzliche Schwierigkeit besteht darin, dass die europäischen AMI-Ausbildungskurse sehr oft völlig unkoordiniert angeboten werden und sich damit gegenseitig konkurrieren. Seitens AM(S) haben wir deshalb bereits mehr als einmal angeregt, dass AMI sich einer besseren Koordination des Kursangebots innerhalb von Europa annimmt. Die Teilnahme an den gegenwärtig von Montessori CH betriebenen AMI-Kursen 3-6 und 6-12 ist deshalb unterdurchschnittlich. Nur mit gemeinsamen Anstrengungen wird es möglich sein, das im Hinblick auf die ab 2020 geltenden Diplom-Vorgaben eminent wichtige Angebot aufrechterhalten zu können!

Erfreuliche Neuigkeiten erreichen uns von Seiten des „Erdkinderplan-Projektes“, über das wir Sie gegen Ende der heutigen Versammlung noch eingehender informieren werden!

Zum Schluss eines reichen und bewegten Geschäftsjahres möchte ich es nicht versäumen, allen Mitstreitenden meinen ganz herzlichen Dank für den steten und unermüdlichen Einsatz auszu-sprechen, sei es an der Front unserer Einrichtungen, in der Arbeit unserer Vereinsorgane oder im Stillen als Helfer bei Fortbildungen und Veranstaltungen. Nur dank dem uneigennützigen Einsatz von Vielen ist es unserer Vereinigung möglich, uns stets auf Neue wieder für Fortschritte einzu-setzen, welche dem Wohl der Kinder zu Gute kommen.

Zürich, 17. Mai 2016 Jürg R. Schüepp, Präsident


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